In der Bibliothek muss ich nichts bestellen
Ich gehe nicht nur wegen der Bücher hinein. Manchmal brauche ich einen Tisch, an dem niemand auf meine nächste Bestellung wartet.
Die schönste Geschichte über ein altes Haus ist nicht immer die richtige. Ich möchte zuerst wissen, woher sie stammt.
Eine Hausnummer ist ein guter Anfang. Ein Gefühl ist auch einer, aber es lässt sich schlechter bestellen. Wenn ich wissen möchte, was an einer Wiesbadener Straßenecke früher stand, schreibe ich deshalb zunächst auf, welche Ecke und welchen Zeitraum ich meine. Die Erinnerung hat dann etwas, woran sie sich prüfen lassen muss.
Ich habe keinen neuen Archivfund mitgebracht. Ich möchte beschreiben, wie aus einer hübschen Vermutung vielleicht eine nachprüfbare Geschichte wird.
„Wie war Wiesbaden früher?“ wäre für meinen ersten Besuch zu groß. „Was lässt sich über die Nutzung dieses Gebäudes in einem bestimmten Jahrzehnt finden?“ ist handlicher. Eine frühere Schreibweise des Straßennamens kann ebenfalls eine Rolle spielen. Ich würde Varianten festhalten, statt nach einem erfolglosen Suchwort aufzugeben.
Für die konkrete Suche helfen die Hinweise des Stadtarchivs Wiesbaden zur Online-Recherche. Dort wird erklärt, wie die Bestände in Arcinsys erschlossen werden können und welche Schritte für eine Nutzung im Lesesaal nötig sind. Eine Onlinesuche ist dabei nicht gleichbedeutend mit einem frei verfügbaren Digitalisat.
Das finde ich wichtig. Im Netz sieht ein fehlender Treffer schnell aus wie ein fehlender Gegenstand. Ein Archivbestand kann aber nur teilweise erschlossen oder online sichtbar sein. Aus der Suchmaske allein würde ich deshalb keine Aussage darüber ableiten, ob es Unterlagen gibt.
Wenn ich etwas finde, notiere ich den Bestand, die Signatur, den Titel und das Datum. Bei einem späteren Text möchte ich wieder dorthin zurückfinden. Eine zurechtgeschnittene Bilddatei auf meinem Rechner reicht dafür nicht.
Auch die Veröffentlichung ist ein eigener Schritt. Einsicht nehmen bedeutet nicht automatisch, ein Foto oder Dokument beliebig online stellen zu dürfen. Schutzfristen, Persönlichkeitsrechte und Nutzungsbedingungen gehören zur Recherche, nicht erst zur letzten Minute vor dem Hochladen.
Ich würde vor einem Besuch die aktuellen Hinweise des Archivs lesen und eine erforderliche Anmeldung oder Bestellung klären. Die Öffnungszeiten kopiere ich hier absichtlich nicht. Dieser Text soll länger halten als eine vorübergehende Schließung.
Manchmal wird aus einer ersten Frage keine Geschichte. Das finde ich inzwischen erträglich. Ein belegbarer kleiner Fund ist mir lieber als ein großer Zusammenhang, den ich selbst zwischen zwei vergilbte Blätter gelegt habe.
Die im Text verlinkten Hinweise der Landeshauptstadt Wiesbaden dokumentieren den Rechercheweg im Stadtarchiv. Vor Einsicht und Veröffentlichung die aktuellen Regeln des jeweiligen Bestands prüfen.