Ich kann helfen. Am Donnerstag.
Aus einer Bitte soll keine stillschweigende Dauerzuständigkeit werden. Sonst verliert die Nachbarschaft irgendwann ihre hilfsbereiten Leute.
Ich traue dem großen Wir nur begrenzt. Auf einer Tribüne kann es sich für einen Moment trotzdem richtig anfühlen.
Der Mann neben mir kennt die Abseitsregel besser als ich. Jedenfalls erklärt er sie lauter. Ein paar Minuten später sind wir uns einig, dass der Schiedsrichter sie überhaupt nicht kennt. So schnell kann Verständigung gehen, wenn man einen äußeren Anlass hat.
Ich hänge an Eintracht Frankfurt. Daraus mache ich aber keine schöne Geschichte darüber, dass Fußball sämtliche Unterschiede auflöst.
Das tut er nicht. Man kann ein Tor gemeinsam feiern und danach wieder aneinander vorbeileben. Auf einer Tribüne bleibt man außerdem nicht automatisch von Rassismus oder anderen Gemeinheiten verschont. Wer sie nur als Raum der Versöhnung malt, hat sie allzu gründlich koloriert.
Was ich mag, ist kleiner. Für eine Weile müssen wir unsere Anwesenheit nicht erläutern. Wir sind wegen desselben Spiels da. Der Mann neben mir fragt nicht, was meine Eltern beruflich gemacht haben oder woher mein Nachname kommt. Er möchte wissen, warum wir den Pass nicht früher gespielt haben.
Auch das ist eine Form von Entlastung. Wer häufig zum Erklären der eigenen Zugehörigkeit aufgefordert wird, kann eine sachfremde Unterhaltung sehr schätzen. Endlich reden wir darüber, ob jemand rechts frei stand.
Ich wünsche mir mehr solcher Anlässe in Frankfurt, ohne daraus ein Fußballmodell für jedes Jugendzentrum oder jede Nachbarschaft zu machen. Eine gemeinsame Tätigkeit kann ein Gespräch tragen, das bei der abstrakten Aufforderung zum Dialog noch gar nicht begonnen hätte.
Manchmal ist das Musik. Manchmal ein Garten. Manchmal das ziemlich undemokratische gemeinsame Urteil über einen Schiedsrichter. Entscheidend ist, dass niemand erst eine Herkunftsprüfung bestehen muss, um mitzumachen.
Auf dem Rückweg geht mein Nachbar in eine andere Richtung. Ich weiß noch immer nicht, was er wählt, wo er wohnt oder ob wir uns bei irgendetwas anderem verstehen würden. Vielleicht ist es besser, diese Lücke nicht sofort mit einer Botschaft zu füllen.
Wir haben nebeneinandergestanden. Es war kein gesellschaftlicher Durchbruch. Einen angenehmen Nachmittag würde ich trotzdem daraus machen.
Essay über Fankultur, soziale Durchmischung im Stadion und den Wert gemeinsamer Treffpunkte im Rhein-Main-Gebiet.